Nachlese zu Saskia Wolff

Die erste Kurzgeschichte, die Saskia Wolff liest, hat etwas Beklemmendes.

Die Ich-Erzählerin blickt in zurück in ihre Ehe mit Franz.

Zu Anfang habe er sie wohl geliebt, nur zeigen habe er das nicht können. Sie überlegt, wer sie wohl ohne ihn sei. Die Tochter müsse sie noch anrufen. Die hatte gefragt, warum sie sich nicht scheiden lasse.

 

Und der Arzt muss angerufen werden. Sie überlegt: „Was der wohl untersucht? Ich schaue mir den Franz nochmal genau an. Er sieht ganz normal tot aus, obwohl ich damit ja auch keine Erfahrung habe. Ich denke jedenfalls nicht, dass man irgendwas nachweisen kann.“ Die rund 20 Zuhörer und Zuhörerinnen ahnten es. Feine Pointe.

 

Die zweite Erzählung „Nach Hause“ läuft ebenfalls auf ein eher beklemmendes Finale zu: Die Ich-Erzählerin soll für 14 Tage die Betreuung ihres Vaters übernehmen, der einen Oberschenkelhalsbruch hatte. Die ältere Schwester ihres Vaters, Hannah, kümmert sich sonst - ganz ohne Dank und Anerkennung - aufopferungsvoll um ihn. Nur wenige Minuten, nachdem Hannah das Haus für die vorher gebuchte Kur verlässt, geht auch die Erzählerin, zunächst nur, um Luft zu schnappen. Sie findet sich am Bushäuschen wieder. Der letzte Bus zum Bahnhof geht in drei Stunden um halb acht …

 

In „Johnny“ ging es schließlich um eine wechselvolle Liebesgeschichte zwischen ihrem großen Bruder Johnny und der Schwester einer Tante, die Ádá atemlos beobachtet. Der Mann der Schwester der Tante kommt ebenfalls etwas später zu Besuch. Überraschende Wendungen machen den Charme der Erzählweise von Saskia Wolff aus. Gern mehr davon!


 

Die Autorin

Saskia Wolff (Jahrgang 1973) wuchs in Ulm und in der Schweiz auf. Sie studierte Theaterwissenschaft und Erwachsenenbildung. 2017 zog sie mit ihrem Mann nach Kempen, von wo aus sie freiberuflich als Texterin, Autorin, Beraterin und Dozentin arbeitet. 2015 erschien ihre Kurzgeschichte „Onkel Karls Hütte“ in der Anthologie „Die Sachensucherin“ im Klartext-Verlag. 2017 wurde „Johnny“ für den Nettetaler Literaturpreis nominiert, beim Moerser Literaturpreis 2021 erhielt sie den zweiten Preis.

Zudem spricht sie zusammen Chrissie Salz („Salz & Wolff“) über sich und die Welt im Podcast „Gesprächsbedarf“.

Infos unter www.salzundwolff.de

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