Gedichte und Kurzgeschichten trug die Tönisvorsterin Angela Koler unter ihrem Künstlernamen Ann Karou in unserer ersten Leseprobe an einem Samstag (und im Neuen Jahr) in der Schola der Stadtbibliothek vor.
Die Veranstaltung ist gut besucht mit knapp 20 Zuhörerinnen und Zuhörern – der neue Termin „müsse sich erst noch etablieren“, so die für die Leseprobe auch nach der Vorstandswahl im Januar zuständige „neue“ Beisitzerin (und frühere Vorsitzende) Brigitte Nienhaus.
Im zweiten Teil standen dann drei Texte auf dem Programm.
Der erste, eine Art Essay, setzt sich mit unterschiedlichen Lebenskreisen auseinander – ein Beispiel: „Ich denke an all die Wege, die ich nicht gegangen bin. An die Träume, die ich aus Vernunft begraben habe, bevor sie überhaupt zu leben begannen. Ich wollte schreiben, reisen, Neues wagen – und doch blieb ich im sicheren Kreis dessen, was man ein geordnetes Leben nennt.“
Es folgten zwei Kurzgeschichten. Von einen Tag im Leben eines Menschen, der, offenbar an Demenz erkrankt, einen Brief an seinen Sohn schreibt, erzählt die erste. Der alte Mann berichtet darin von den Merkwürdigkeiten seines Alltags und von den, von ihm selbst bemerkten, Vergesslichkeiten.
Ebenfalls vergessen hat er, dass der Sohn schon da ist. Die zweite Geschichte greift erzählerisch geschickt und mit – im Auditorium dann spürbarer – Spannung auf, was in der Zukunft der Einsatz künstlicher Intelligenz bedeuten könnte. Der Plot von „Brücke zu Ava“ gerät fast gespenstisch, wenn die Zuhörer verfolgen, wie die Maschine langsam die Existenz ihrer Entwicklerin übernimmt.
Auch nach der Lesung gehen Diskussion und Gespräche weiter – eine gelungener Jahresauftakt mit unserer Leseprobe.
Die Autorin
AnnKarou (Jahrgang 1976) lebt in Tönisvorst und schreibt kurze Prosa und Lyrik. Gedichte begleiten sie schon einige Zeit, Kurzgeschichten sind ein neues Feld für sie. Ihre Texte entstehen aus Beobachtungen, Begegnungen und Gedanken - manchmal im Alltag, manchmal in ihrer Arbeit in einer psychiatrischen Klinik. Ihre Sprache zeichnet Gehörtes und Gesehenes nach. Die Autorin plant, im Juni 2026 über ‚Epubli‘ einen Band mit ihren Texten und eigenen Bildern zu publizieren.